Tier Lexikon Wiki
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Bandrobbe
Bandrobbe.jpg

Systematik
Klasse: Säugetiere

(Mammalia)

Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere(Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere

(Eutheria)

Ordnung: Raubtiere

(Carnivora)

Unterordnung: Hundeartige

(Cynoidea)

Familie: [1]

Hundsrobben (Phocidae)

Gattung: Histriophoca
Art: Bandrobbe
Wissenschaftlicher Name
Histriophoca fasciata
Zimmermann, 1783

Beschreibung[]

Aussehen und Maße[]

Die Bandrobbe erreicht eine Körperlänge von 135 bis 150 Zentimeter sowie ein Gewicht von 65 bis 80 Kilogramm. Insgesamt kann das Gewicht der Tiere von Jahreszeit zu Jahreszeit deutlichen Schwankungen unterworfen sein. Das Fell weist bei erwachsenen Tieren eine hellbraune bis braune, beim Männchen teilweise eine fast schwarze Färbung auf. Markantes Erkennungsmerkmal sind die breiten, hellgrauen dorsalen Markierungen. Das erste Band verläuft vom Hinterkopf, über beiden Kopfseiten bis zum Kehlbereich. Das zweite Band verläuft vom Schulterbereich in einem Bogen bis zu den Flanken der Körpermitte. Das dritte Band erstreckt quer über das hintere Körperdrittel. Die Markierungen sind bei beiden Geschlechtern identisch und stellen sich mit der Geschlechtsreife, also im Alter von vier bis fünf Jahren ein. Neugeborene weisen einen dichten weißlichen Pelz auf, dieser wird Ende der fünften Lebenswoche gewechselt. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Jungtieren eine dichte Fettschicht angefressen. Jungtiere weisen eine blauschwarze dorsale Färbung auf, die Bauchseite ist gräulich gefärbt. Den Jungtieren fehlen allerdings noch die charakteristischen gräulichen Bänder. Die Extremitäten haben sich im Laufe der Evolution zu flossenartigen Gebilden ungewandelt. Die Hinterbeine haben sich dabei weit nach hinten verlagert und bilden antriebsstarke Flossen. Die vorderen Flipper liegen im Brustbereich und dienen zum einen dem Antrieb und der Steuerung unter Wasser und zum anderen der Fortbewegung auf dem Eis oder auf dem Land. Die sehr großen Augen weisen eine schwarze Färbung auf und ermöglich ein gutes Sehen unter Wasser. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare (Vibrissen), die der Orientierung dienen. Das Gebiss der Bandrobbe besteht aus 34 Zähnen.

Lebensweise[]

Bandrobben sind ausgesprochen einzelgängerisch lebende Robben, sind jedoch an Land in kleineren losen Kolonien anzutreffen. Die meiste Zeit des Jahres leben Bandrobben im Wasser, letztlich kommen sie nur zur Fortpflanzung und zum Ruhen an Land. Dabei versammeln sie sich in Kolonien, die in kleine Reviere aufgeteilt sind und erbittert verteidigt werden. Auf dem Packeis legen sie regelrechte Lager an, die sie vor kalten Winden schützen. Mit ihren Flossen schieben sie lockeren Schnee zu Dämmen zusammen. Sie halten an Land permanent ein oder mehrere Löcher im Eis offen, wodurch sie jederzeit flüchten können oder halten sich in der Nähe des Wassers auf. In diesen geschützten Lagern bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt, der sehr schnell heranwächst. Dem Menschen gegenüber sind Bandrobben nur wenig scheu und haben eine recht geringe Fluchtdistanz. Dies macht Wilderern und Jägern die Jagd auf die Tiere sehr leicht.

Verbreitung[]

Die Bandrobbe lebt in den arktischen Gewässern des nördlichen Pazifiks sowie in der Beringsee und in der See von Okhotsk. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich dabei über Alaska und Russland. Die größten Populationen leben dabei in der Beringsee. Die Tiere leben hauptsächlich auf dem Schelfeis, gelegentlich auch an den Küsten von Inseln und des Festlandes.

Migration[]

Im späten Winter und im Frühjahr leben Bandrobben ausschließlich auf dem Schelfeis. Hier bringen die Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt und der allgemeine Fellwechsel wird durchgeführt. Auch die Paarungszeit fällt in diesen Zeitraum. Gegen Ende des Frühjahrs und im Sommer schmilzt die Eiskappe immer weiter ab. Die Bandrobben bleiben jedoch an der Eiskante und ziehen mit dem verbliebenen Eis nordwärts. Hat der Nachwuchs eine entsprechende Größe erreicht, so gehen die Tiere zurück ins Wasser und fressen sich für den nächsten Winter eine dicke Speckschicht an.

Bestand[]

Die Bestände der Bandrobben haben sich in den letzten Jahrzehnten stabilisieren können. Die Abschüsse durch Wilderer und Pelzjäger halten sich dabei in Grenzen. Auch die Abschüsse durch die Eingeborenen (Inuit) sind mit einigen Hundert Tieren eher als gering einzustufen. In der Vergangenheit sah das noch ganz anders aus. Vor allen Russland hatte jährlich mehrere Tausend Tiere geschossen, so dass der Bestand Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts mit gut 120.000 Exemplaren einen historischen Tiefststand aufwies. Erlassene Fangquoten konnte die ungehemmte Jagd jedoch rechtzeitig eindämmen. Aktuell wird der Bestand auf rund 250.000 Tiere geschätzt.

Prädatoren[]

An Land haben Bandrobben viele Feinde. Hauptfeind ist der Eisbär (Ursus maritimus), das [2] Walross (Odobenus rosmarus) und der Polarfuchs (Vulpes lagopus). Den Welpen können auch größe Vögel gefährlich werden. Im Wasser stellt der [3]Große Schwertwal (Orcinus orca) die Hauptbedrohung dar. In einigen Verbreitungsbebieten werden die Tiere auch von den Inuit gejagt, die das Fleisch essen und das Fell für Kleidungsstücke weiter verarbeiten. Weitaus bedrohlicher ist allerdings das kommerzielle Abschlachten durch kanadische Pelzhändlern.

Ernährung[]

Je nach Jahreszeit ernähren sich Bandrobben von unterschiedlichen Beutetieren. Zu ihrer Hauptnahrung gehört zweifelsohne Fisch. Dazu gehören insbesondere Kohlfisch (Pollachius virens), Kabeljau der Art Eleginus gracilisPolardorsch (Boreogadus saida), Pazifischer Hering (Clupea pallasii), Dorsch (Gadus morhua) und Lodde (Mallotus villosus). Aber auch Kopffüßer (Cephalopoda) wie Kalmare (Teuthida) sowie Garnelen und andere Krebstiere (Crustacea) werden nicht verschmäht. Auf ihren Tauchgängen bleiben sie selten länger als fünf Minuten unter Wasser. Bei Bedarf können sie aber auch deutlich länger tauchen.

Fortpflanzung[]

Die Geschlechtsreife erreichen weibliche Bandrobben mit rund drei bis vier Jahren. Männchen brauchen für die Erlangung der Geschlechtsreife in der Regel drei bis fünf Jahre. In den meisten Verbreitungsgebieten erstreckt sich die Paarungszeit von April bis in den Mai hinein. Die Bandrobben leben Polygam, ein Männchen paart sich also mit mehreren Weibchen. Mit der Befruchtung tritt zunächst eine Keimruhe ein. Das heißt, die embryonale Entwicklung wird zunächst unterbrochen. Im Fall der Bandrobbe beginnt die eigentliche Tragezeit ab etwa August. Die embryonale Keimruhe beträgt also um die drei Monate. Nach einer Netto-Tragezeit von etwa 240 Tagen bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt. Die Geburt erfolgt auf Eisschollen. Die Geburtslänge liegt bei 80 bis 85 Zentimeter, das Gewicht liegt bei etwa 9.000 bis 10.000 Gramm.

Die Jungtiere weisen ein rein weißes Fell auf. Das Fell ist äußerst dicht und hält die Jungtiere warm. Aufgrund der sehr fettreichen Muttermilch wachsen sie ausgesprochen schnell. Nach gut fünf Wochen wandelt sich der Pelz in ein leichtes Grau und dunkelt mit jeder weiteren Woche weiter ab. Hauptfeinde für die Jungtiere sind neben dem Menschen vor allem Eisbären und Polarfüchse. Die Säugezeit beträgt nur etwa vier Wochen. Während dieser Zeit bleibt das Weibchen ausschließlich an Land und umsorgt den Nachwuchs. Sie nimmt während der Säugezeit 20 bis 30 Kilogramm ab. Danach verbringen die Jungtiere die meiste Zeit im Wasser und auch die Mutter geht ins Wasser zurück, um wieder zu Kräften zu kommen. Im Wasser sind die Jungtiere vor den meisten Feinden sicher. Die Lebenserwartung kann bei über 40 Jahren liegen, jedoch erreicht in Freiheit kaum ein Tier ein Alter von 20 Jahren oder mehr.

Ökologie[]

Bandrobben haben seit Jahren eher nicht mit der Bejagung zu kämpfen, sondern mit den erhöhten Temperaturen und dem damit verbundenen Abschmelzen des Schelfeises. Auf dem Schelfeis wechseln sie ihr Fell und der Nachwuchs kommt zur Welt. Mit diesem Problem haben beispielsweise auch die Eisbären zu kämpfen. Fehlt dieses Eis, so haben Bandrobben ein großes Problem. In der Vergangenheit wurden Bandrobben wegen dem Fell, der Haut, dem Fleisch und dem Tran bejagt. Dieses spielt heute keine Rolle mehr. Allenfalls die Inuit jagen aktuell zur Selbstversorgung nach den Tieren. Ein weiteres Problem dürfte die Überfischung der Meere sein, für die Bandrobbe wird es immer schwieriger genügend Nahrung zu finden. In der Roten Liste der IUCN wird die Art aktuell als nicht geährdet geführt.

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