Tier Lexikon Wiki
Advertisement

Namen[]

Deutsch: Gangesgavial

Latein: Gavialis gangeticus

Englisch: Gharial, Indian Gharial, Fish-eating Crocodile, Indian Gavial, Gavial, Long-nosed Crocodile

Aussehen und Maße[]

Der Gangesgavial gehört zu den längsten Krokodilen überhaupt. Er erreicht eine durchschnittliche Länge von 350 bis 450 Zentimeter, in seltenen Fällen aber auch deutlich über 500 Zentimeter. Das Gewicht liegt bei 160 bis 190 Kilogramm. Weibchen bleiben im allgemeinen etwas kleiner und schmächtiger als Männchen. Die kräftige und glatte Beschuppung und die Hornplatten auf der dorsalen Seite weisen eine gräuliche bis olivgraue Färbung auf. Dunkle Bänder können sich über den gesamten Panzer hinziehen. Die einzelnen Schuppen weisen dabei keine Überlagerung auf. Lateral weisen die Schuppen eine geringere Größe und eine eher rundliche Form auf. Die Schuppen auf dem Rücken sind überwiegend von rechteckiger Form. Die Bauchseite ist nicht beschuppt. Bezogen auf die Kopflänge verfügt der Gangesgavial über die längste Schnauze innerhalb der Ordnung der Krokodile. Sie ist auf der gesamten Länge ausgesprochen schmal. Sowohl die Zähne im Ober- als auch im Unterkiefer sind auch bei geschlossenem Maul gut sichtbar. Die Zähne sind spitz zulaufend und weisen leicht nach hinten. Der sehr lange Schwanz ist seitlich deutlich abgeflacht, auf dem Schwanzrücken stehen Hornplatten seitlich ab. Die Hornplatten können allerdings auch aufrechtstehend sein. Die rundlichen Augen liegen auf der Kopfoberseite und weisen in seitlicher Richtung. Die Pupille ist senkrecht geschlitzt und verengt sich bei Lichteinfall. Hinter der Netzhaut des Auges befindet sich eine reflektierende Schicht, das sogenannte Tapetum lucidum, die es dem Gangesgavial ermöglicht auch in der Nacht zu sehen. Unter Wasser wird das Auge durch eine Nickhaut geschützt. Auch die Hörfähigkeit ist hoch entwickelt. Insbesondere niederfrequente Töne werden besonders gut wahrgenommen. Gleiches gilt für Töne im Ultraschallbereich. Unter Wasser sind die Ohren geschlossen. Ein spezieller Muskel verschließt dabei den Gehörkanal. Markantes Merkmal der Männchen ist der knopfartige Fortsatz auf der Spitze des Maules (siehe Bild unten im Kapitel Fortpflanzung). Welchen genauen Sinn dieser Fortsatz erfüllt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Man glaubt jedoch, der Fortsatz dient während der Balz als Imponiergehabe.

Verhalten[]

Wie alle Reptilien, so gehört auch der Gangesgavial zu den wechselwarmen Tieren, die durch Sonnenbaden erst auf Betriebstemperatur kommen müssen. Zum Sonnenbaden gehen sie an Land und bleiben hier teilweise stundenlang in der Sonne liegen. Die Dauer ist natürlich abhängig von den klimatischen Verhältnissen. Die Mittagszeit verbringen Gangesgaviale allerdings im Wasser. In den frühen Morgenstunden sind sie recht träge. Mit steigender Körpertemperatur steigt die Beweglichkeit und setzt auch die Verdauung in Gang. Drohen Gangesgaviale zu überhitzen, so sperren sie charakteristisch ihr Maul auf. So gelangt kühlere Luft vor allem in den Kopfbereich und kühlt ihn leicht herab. Ansonsten begeben sich die Tiere bei zu hoher Körpertemperatur ins Wasser zurück. Gangesgaviale verfügen über relativ schwach entwickelte Extremitäten, die den Körper an Land nicht tragen können. Sie schieben sich an Land mehr oder weniger auf dem Bauch liegend voran. Im Wasser sind sie allerdings gewandte Schwimmer. Zwischen den Zehen zeigen sich sichtbare Schwimmhäute. Der kräftige Schwanz dient als Antriebs- und Steuerorgan. An Land kommen Gangesgaviale in der Regel nur zum Sonnenbaden und die Weibchen zur Eiablage.

Sozialverhalten[]

Gangesgaviale sind gesellige Reptilien. Sie leben in der Regel in kleinen Haremsgruppen, die aus einem dominanten Männchen und einigen Weibchen bestehen. An Land, beim Sonnenbaden, werden aber Artgenossen geduldet. Männchen ohne eignen Harem leben eher einzelgängerisch. Vor allem während der Paarungszeit, die sich über die Trockenzeit erstreckt, sind die Männchen ausgesprochen territorial und dulden keine männlichen und geschlechtsreifen Rivalen in ihrem Revier. Jungtiere werden allerdings geduldet. Weibchen sind nur territorial wenn es um ihr Gelege geht. Dieses wird erbittert verteidigt. Ansonsten leben Weibchen friedlich nebeneinander.

Verbreitung[]

Der Gangesgavial kommt heute nur noch in kleinen Gebieten in Pakistan, dem nördlichen Indien und in Nepal vor. Ursprünglich kam die Art auch in Bangladesh, Bhutan und Myanmar vor. Dort wurde der Gangesgavial mittlerweile ausgerottet. Die letzten Rückzugspunkte sind heute der Ganges sowie dessen Zuflüsse Chambal und Brahmaputra. In Nepal lebt der Gangesgavial noch am Fluss Rapti-Narayani.

Lebensraum[]

Langsam und schnell fließende Gewässer mit nicht zu geringer Tiefe und ausgedehnten, sandigen Ufern werden bevorzugt bewohnt. Jungtiere halten sich im ersten Lebensjahr hauptsächlich in dichter Ufervegetation auf.

Nahrung[]

Gangesgaviale ernähren sich im wesentlichen von Fischen, jedoch werden hin und wieder auch im Wasser schwimmende Vögel und Kleinsäuger erbeutet. Selbst Amphibien und kleinere Reptilien wie Weichschildkröten werden nicht verschmäht. Jungtiere ernähren sich von kleinen Fischchen und wirbellosen Tieren. Gangesgaviale sind hauptsächlich Lauerjäger, die oft stundenlang warten können bis sich ein Beutetier in erreichbarer Nähe befindet. Mit einer schnellen Kopfbewegung schnappen sie dann beispielsweise nach einem Fisch. Hin und wieder werden kleine Steine geschluckt, die der Verdauung im Magen dienen. Dies ist notwendig, da die Tiere ihre Beute im Ganzen verschlingen und durch die Steine im Magen die Nahrung zermalen wird. Eher selten gehen Gangesgaviale aktiv auf Nahrungssuche.

Paarung[]

Die Paarungszeit beginnt während der Trockenzeit, dies kann in der Regel ab Dezember der Fall sein, jedoch kommt es in der Regel nicht vor Ende Januar, meist erst im Februar zur Paarung. Forscher haben festgestellt, dass die Balz zum einen durch die hormonelle Steuerung sowie durch kürzer werdende Tageslänge eingeläutet wird. Während der Balz präsentieren die Geschlechter ihre Schnauzen, die sie demonstrativ in die Höhe halten. Weitere Merkmale der Balz sind sehr tiefe Töne, die vom Männchen ausgehen und Vibrationen im Wasser auslösen. Die eigentliche Paarung erfolgt unter Wasser und kann sich über 20 bis 30 Minuten erstrecken. Die Geschlechter führen eine polygame Ehe, dass heißt, ein Männchen begattet alle Weibchen seines Harems. Mit der Aufzucht und dem Schutz der Gelege hat er im folgenden nichts zu tun.

Status[]

Status: CR (vom Aussterben bedroht)

Trend: abnehmend


Datei:Gangesgavial.png

200px









Datei:Gangesgavial.gif

400px

Advertisement