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Hirsche
Wapiti.jpg

Cervidae

Systematik
Klasse Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie Hirsche
Zeitraum
frühes Oligozän-heute
Allgemeines
Verbreitung: Eurasien (außer: Arabische Halbinsel), Festlandamerika, Arktis (eingeführt in: Australien, Neuseeland, Neuguinea)
Größe: Südpudu (32-44 cm)

Elch (2,5-3,5 m)

Ernährung: Pflanzenfresser

Die Hirsche (Cervidae) sind eine Säugetierfamilie aus der Ordnung der Paarhufer.

Merkmale[]

Die meisten Hirsche haben einen länglichen Körper, einen langen Hals, große Augen seitlich am Kopf, hoch angesetzte Ohren und einen kleinen Schwanz. Die gut entwickelten dritten und vierten Zehen tragen das Gewicht, während die zweiten und fünften Zehen kleiner sind und den Boden normalerweise nicht berühren. Zwischen den Zehen befindet sich eine Duftdrüse, die eine Spur erzeugt, der Artgenossen folgen können. Ein Fellwechsel erfolgt mindestens einmal im Jahr. Die Jungen vieler Arten haben zur Tarnung Flecken auf dem Fell.

Das Geweih[]

Auffälligstes Merkmal der Hirsche ist das Geweih, das außer bei den Rentieren nur von den Männchen getragen wird. Jedes Frühjahr beginnt das Geweih zu wachsen. Es kommt direkt aus dem Schädel und wird zuerst von einer feinen, behaarten Haut (Bast) bedeckt. In der weiteren Entwicklung trocknet der Bast und wird abgerieben, damit das Geweih für Kämpfe in der Brunftzeit im Herbst bereit ist. Danach wird das Geweih abgeworfen. Man weiß nicht, warum jedes Jahr eine Erneuerung stattfindet, denn sie ist aufwendig für den Stoffwechsel-möglicherweise dient sie der Behebung von in der Brunft entstandenen Geweihschäden. Bei ein- bis zweijährigen Tieren wachsen zunächst einfache Spieße. Im Lauf der Zeit werden die Geweihe größer und verzweigter, verringern sich jedoch im hohen Alter wieder. Die Geweihgröße zeigt den Allgemeinzustand.

Verbreitung und Lebensraum[]

Hirsche kommen in ganz Europa mit Ausnahme Islands, in Asien außerhalb der Arabischen Halbinsel und einiger indonesischen Inseln und in der Atlasregion Nordafrikas (Marokko, Algerien) vor. Auch besiedeln das gesamte amerikanische Festland und die Arktis. In Australien, Neuseeland, Neuguinea und auf einigen Karibikinseln wurden sie eingeführt und gelten dort als große Schädlinge an den dort lebenden Pflanzen. Hirsche leben in einer Vielzahl von Lebensräumen, von Tundren bis in tropische Regenwäldern und Mangrovenwäldern. Die meisten Arten kommen allerdings in offenen und geschlossenen Waldlandschaften bis in eine Höhe von 5100 m vor.

Lebensweise[]

Sozialstruktur[]

Die Sozialstruktur hängt stark von der Ernährung ab. Kleinere Arten leben meist allein oder in kleinen Gruppen, da ihr Futter nur an eng begrenzten Stellen wächst. Größere Arten grasen in offenen Lebensräumen und haben so ein größeres Nahrungsangebot und weniger Konkurrenz. Diese Hirsche leben zum Schutz vor Beutegreifern oft in Herden, die meist eingeschlechtlich sind - außer in der Brunft. Dann kämpfen die Männchen um ein Harem, dabei dient das Geweih als Waffe und Zierde.

Wanderung[]

Die meisten Hirsche wandern nur kurze Strecken innerhalb ihres Reviers. Doch Rentiere sind bekannt für ihre weiten Wanderungen. Im Herbst bilden die in Nordamerika lebenden Tiere Herden von bis zu 500.000 Tieren und ziehen langsam nach Süden, um der extremen Kälte zu entgehen. Dabei überwinden sie Berge und Flüsse. Im Frühjahr wandern sie wieder nach Norden.

Ernährung[]

Hirsche fressen hauptsächlich Blätter, Triebe, Gräser, Früchte und Rinde. Die Art der Nahrung hängt dabei von dem Nahrungsangebot der jeweiligen Region ab. Hirsche gehören wie Rinder oder Ziegen zu den Wiederkäuern. Das heißt, sie besitzen vier Mägen, die die Nahrung nacheinander verdauen und würgen den vorverdauten Pflanzenbrei wieder hoch und kauen ihn erneut.

Fortpflanzung[]

Im Herbst ist Brunftzeit. Dann röhren die Hirsche und stoßen zu den Rudeln der Hirschkühe dazu. Das Röhren dient - wie auch das Geweih - zum Beeindrucken der Kühe. Erscheint ein Rivale, wird oft mehrere Stunden mit den Geweihen um das Harem gekämpft. Der Sieger erhält das Harem und vertreibt den Verlierer. Merkwürdigerweise sind es nicht immer die Hirsche mit den mächtigsten Geweihen, die sich durchsetzen. Oft tragen die stärksten Kämpfer relativ kleine Geweihe. Das hat damit zu tun, dass sich das Geweih jedes Jahr neu bildet und größer wird. Dafür müssen Hirsche eine große Menge Mineralien und Nährstoffe aufnehmen. In Gegenden, wo das Futter arm an Aufbaustoffen ist, fressen Hirsche oft ihre alten Geweihe.

Abwehrverhalten[]

Als richtige Waffen sind Geweihe kaum brauchbar. Wenn Hirsche angegriffen werden, zum Beispiel von Wölfen, teilen Hirsche Huftritte aus. So ein Hufschlag kann einem Wolf den Schädel einschlagen.

Systematik[]

Das gemeinsame Merkmal aller Hirsche ist das Fehlen der Gallenblase und die Ausbildung eines Geweihs, das jedes Jahr erneuert wird. Hirsche gehören zur Familie Cervidae. Früher zählte man auch Moschustiere (Moschidae) zu ihnen. Hirschferkel (Tragulidae) sind entfernte Verwandte. Zusammen mit den Hornträgern (Bovidae), den Giraffenartigen (Giraffidae), dem Gabelbock (Antilocapra americana) und den Moschustieren (Moschidae) bilden sie das Taxon der Stirnwaffenträger (Pecora). Zusammen mit den Hirschferkeln (Tragulidae) gehören die Stirnwaffenträger zu den Wiederkäuern (Ruminantia). Die Familie der Hirsche existiert seit dem Oligozän. Man vermutet heute, dass die Hirsche in den Steppen Asiens zuerst auftraten. Von dort breiteten sie sich nach Europa und Nordamerika aus.

Tribus: Muntjakhirsche (Muntiacini):

Elaphodus:

Muntjaks (Muntiacus):

  • Burma-Muntjak (Muntiacus putaoensis)
  • Borneo-Muntjak (Muntiacus atherodes)
  • Sumatra-Muntjak (Muntiacus montanus)
  • Roosevelt-Muntjak (Muntiacus rooseveltorum)
  • Vietnam-Muntjak (Muntiacus puhoatensis)
  • Chinesischer Muntjak (Muntiacus reevesi)
  • Gongshan-Muntjak (Muntiacus gongshanensis)
  • Nordindischer Muntjak (Muntiacus vaginalis)
  • Indischer Muntjak (Muntiacus muntjak)
  • Zentralindischer Muntjak (Muntiacus aureus)
  • Malabar-Muntjak (Muntiacus malabaricus)
  • Annam-Muntjak (Muntiacus truongsonensis)
  • Tenasserim-Muntjak (Muntiacus feae)
  • Riesenmuntjak (Muntiacus vuquangensis)
  • Schwarzer Muntjak (Muntiacus crinifrons)
  • Schwarzfuß-Muntjak (Muntiacus nigripes)

Tribus: Echte Hirsche (Cervini):

Axishirsche (Axis):

Damhirsche (Dama):

  • Damhirsch (Dama dama)
  • Mesopotamien-Damhirsch (Dama mesopotamica)

Elaphurus:

Barasinghas (Rucervus):

  • Hochland-Barasingha (Rucervus branderi)
  • Tiefland-Barasingha (Rucervus duvaucelli)
  • Assam-Barasingha (Rucervus ranjitsinhi)

Leierhirsche (Panolia):

  • Manipur-Leierhirsch (Panolia eldii)
  • Thailand-Leierhirsch (Panolia siamensis)
  • Myanmar-Leierhirsch (Panolia thamin)

Edelhirsche (Cervus):

  • Rothirsch (Cervus elaphus)
  • Sambar (Cervus unicolor)
  • Sikahirsch (Cervus nippon)
  • Wapiti (Cervus canadensis)
  • Weißlippenhirsch (Cervus albirostris)
  • Prinz-Alfred-Hirsch (Cervus alfredi)
  • Philippinenhirsch (Cervus mariannus)
  • Isubrahirsch (Cervus xanthopygus)
  • Mähnenhirsch (Cervus timorensis)
  • Alashan-Wapiti (Cervus alashanicus)
  • China-Rothirsch (Cervus hanglu)
  • Dybowski-Hirsch (Cervus hortulorum)
  • Szetschuan-Hirsch (Cervus macneilli)
  • Mindoro-Sambar (Cervus barandanus)
  • Mindanao-Sambar (Cervus nigellus)
  • Nordhonshu-Sikahirsch (Cervus aplodontus)
  • Vietnamesischer Sikahirsch (Cervus pseudaxis)
  • Sichuan-Sikahirsch (Cervus sichuanicus)
  • Taiwan-Sikahirsch (Cervus taiouanus)
  • Tsushima-Hirsch (Cervus pulchellus)

Tribus Capreolini:

Hydropotes:

Rehe (Capreolus):

Tribus Alceini:

Elche (Alces):

Tribus Rangiferini:

Rangifer:

Tribus Eigentliche Trughirsche (Odocoileini):

Amerikahirsche (Odocoileus):

Blastocerus:

Andenhirsche (Hippocamelus):

Pudus (Puda):

  • Nordpudu (Puda mephistophiles)
  • Südpudu (Puda puda)

Spießhirsche (Mazama):

  • Großmazama (Mazama americana)
  • Küstenwald-Mazama (Mazama bororo)
  • Nördlicher Zwergmazama (Mazama bricenii)
  • Südlicher Zwergmazama (Mazama chunyi)
  • Graumazama (Mazama gouazoubira)
  • Kleinmazama (Mazama nana)
  • Amazonien-Mazama (Mazama nemorivaga)
  • Yucatán-Mazama (Mazama pandora)
  • Roter Kleinmazama (Mazama rufina)
  • Mexiko-Großmazama (Mazama temama)

Hirsche und Mensch[]

Nutzen und Bedrohung[]

Schon seit der Steinzeit werden Hirsche von Menschen wegen des Fleisches und des Felles, aber auch aus sportlichen Gründen und wegen des Geweihs gejagt. Das Rentier wurde domestiziert und dient als Lieferant für Fleisch, Fell und Milch, sowie als Lasttier. Als Jagd- und Parktier wurden Hirsche auch in andere Länder wie Australien und Neuseeland eingeführt.

Durch Jagd und Zerstörung der Lebensräume gelten heute sechs Arten als gefährdet und vier Arten als vom Aussterben bedroht. Der Schomburgk-Hirsch (Rucervus schomburgki), der in den Sümpfen Thailands lebte, gilt seit 1938 als ausgestorben. Der Davidshirsch konnte durch europäische Nachzuchten dem Aussterben nur knapp entgehen, gilt aber dennoch als vom Aussterben bedroht. In Europa, wo Gesetze die Jagd regeln, sind die größten Bedrohungen Erntemaschinen und der Straßenverkehr. Jedes Jahr werden tausende Tiere überfahren.

Hirsche in der Kultur[]

Schon vor etwa 15.000 Jahren malten Menschen Hirsche an Höhlenwände. Sie erhofften sie dadurch vermutlich Jagdglück. Aber es wurden auch Malereien gefunden, die Menschen mit Geweihen zeigen. Dies deutet wahrscheinlich auf frühe Religionen hin.

Der berühmteste aller Hirsche ist wohl Bambi. Bambi aus dem gleichnamigen Disneyfilm von 1942 ist ein Weißwedelhirsch. Im gleichnamigen Buch, auf dem der Film basiert, ist er allerdings ein Reh.

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