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Info: Der Waldbaumläufer (Certhia familiaris) zählt innerhalb der Familie der Baumläufer (Certhiidae) zur Gattung Baumläufer (Certhia).

Beschreibung: Der Waldbaumläufer ist kleiner als ein Haussperling (Passer domesticus). Er erreicht eine Körperlänge von etwa 12,5 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 18 bis 21 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa acht bis zwölf Zentimeter. Der Waldbaumläufer weist meist (nicht immer!) einen feinen, gebogenen Schnabel auf. Der Schnabel ist auch etwas kürzer als bei dem Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla). Auf dem braunen Rücken zeigen sich cremefarbene und schwarze Flecken. Der Bürzel ist rostfarben getönt. Im Gesicht ist ein weißgrauer Überaugenstreif erkennbar, der bis zum Schnabel reicht und deutlicher als bei dem Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla) ausgeprägt ist. Der Oberkopf ist deutlicher, vor allem im Bereich der Stirn, hell längsgestreift. Die Unterseite erscheint seidenweiß und ist ohne bräunliche Flanken. An den Flügeln sind die hellen Streifen nicht stufig gestaffelt, davor sieht man einen größeren eckigen oder runden Fleck. Der Schwanz weist eine rötliche bis bräunliche Färbung mit hellen Federschäften auf. Die Extremitäten sind fleischfarben geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn. Die Füße sind extrem groß, aber schlank. Der Waldbaumläufer benutzt seine scharfen Krallen und kräftigen Zehen, um sich fest in der rauen Rinde zu verkrallen, der Schwanz bietet Stütze und Gleichgewicht. Noch mehr als der Kleiber (Sitta europaea) sind die Baumläufer an die Rinde eines Baumes gebunden.

Die Waldbaumläufer klettern und bewegen sich wie die Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla). Sie können dank ihrer Zehen unter einem Ast frei hängen, doch gewöhnlich sitzen sie nach oben gerichtet, gestützt auf ihren Schwanz. Manchmal sucht der Waldbaumläufer auch auf Zweigen von Büschen und ausnahmsweise auch an einer Mauer nach Nahrung. Normalerweise verfolgt er seinen Weg nach oben, oft in Schrauben um den Stamm, bevor der Waldbaumläufer zum nächsten Baum nach unten fliegt und dann wieder seinen Weg nach oben nimmt. Im Herbst und im Winter schließt sich der Waldbaumläufer auch locker an Meisenschwärme an. Der Flug des Waldbaumläufers ist schwach, niedrig und wird meist in Wellenlinien sowie typisch hoch von einem Baum an die Basis des nächsten Baumes vollführt. Im Flug zeichnen sich deutlich die weißlichen Flügelbinden und der rötlich bis bräunlich gefärbte eingeschnittene Schwanz ab.

Der Gesang ist das beste Unterscheidungskriterium gegenüber dem Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla). Der normale Ruf ist ein hohes und scharfes "srii", oft gereiht. Im Flug häufig kurze gereihte "tit". Bei höherer Erregung klingen längere Rufreihen wie "srii-tsitsitsi...". Der Gesang ist nicht sehr laut, die Strophen sind länger als bei dem Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla). Sie bestehen aus zwei Trillern, von denen der erste langsam etwas absinkt, der zweite wieder höher anfängt und rascher abfällt und schließlich in einem Endschnörkel endet. Eine Unterart, die auch in Skandinavien vorkommt, ist über dem Auge kräftige weiß und auf der Unterseite reinweiß. Der Waldbaumläufer kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa zwei bis drei Jahren erreichen.

Verbreitung: Der Waldbaumläufer ist ein Brutvogel und Jahresvogel von den britischen Inseln nach Süden bis Nordspanien und östlich über Europa in Laubwäldern wie Buchenhaine, in Mischwäldern sowie in alten Nadelwäldern wie Tannenpflanzungen. Ferner brütet der Waldbaumläufer über den Waldgürtel Asiens bis nach Ostasien einschließlich der japanischen Inseln und großer Teile Zentralasiens. Eine Population lebt in einem isolierten Areal im Kaukasus. Der Waldbaumläufer weist ein viel grösseres Verbreitungsgebiet auf als der 

Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla). Allerdings fehlt der Waldbaumläufer in Europa sowie in Teilen Westfrankreichs und in Spanien außerhalb der Pyrenäen, auf manchen Mittelmeerinseln, in Südgriechenland sowie im Norden Fennoskandinaviens. In Deutschland ist der Waldbaumläufer ein weit verbreiteter Brüter vom Tiefland bis an die Waldgrenze im Hochgebirge. Des weiteren ist er ein Standvogel und Strichvogel.

Die nördlichen und östlichen Populationen führen gelegentlich Invasionen aus. Der Waldbaumläufer brütet in Wäldern aller Art, auch in reinen Nadelwäldern und in höheren Gebirgslagen. Meist im Unterschied zum Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla) in grösseren und geschlossenen Baumbeständen, auch in reinen Fichtenforsten, in Parkanlagen sowie in hohen Hecken. In Gärten und in der Nähe von Häusern dagegen viel seltener als die Zwillingsart.

Ernährung: Der Waldbaumläufer inspiziert gewissenhaft die Rinde der Bäume, indem er jeden Baumstamm spiralförmig absucht, um dort die Insekten (Insecta) aufzuspüren, die seine Hauptnahrung bilden. Des weiteren pickt er Spinnentiere (Arachnida) und andere winzige Nahrungspartikel von der Rinde und sucht mit seinem Schnabel in Ritzen und Spalten. Auch an Mauern und Felsen sucht er nach Insekten (Insecta) und nach anderen Kleintieren. Neben seiner Hauptnahrung nimmt er auch pflanzliches Material wie Flechten und kleine Sämereien zu sich. Der kleine Waldbaumläufer spielt in der winterlichen Periode eine wichtige Rolle, wo er die verborgensten Winkel aufsucht, in denen sich Insekten (Insecta) versteckt halten wie zum Beispiel Käfer (Coleoptera) und deren Larven sowie Spinnentiere (Arachnida). Diese morphologische Eigenschaft erlaubt dem Waldbaumläufer im Winter seßhaft zu bleiben, da er seine insektenfressende Ernährungsweise im Winter beibehalten kann.

Fortpflanzung: Die Paarungszeit und die Brutsaison finden in den Monaten von April bis Juni statt. Während dieser Zeit kann es zu einer Jahresbrut, vielleicht auch regelmäßig zu zwei Jahresbruten kommen. Das Nest wird ähnlich wie bei dem Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla) hinter lockerer Rinde in Baumspalten und Rindenspalten, aber auch in Mauerspalten errichtet. Der Waldbaumläufer nimmt aber auch gerne besonders konstruierte künstliche Nistkästen mit einem schlitzförmigen seitlichen Einflugloch an. Das Nest wird außen mit pflanzlichen Überresten wie Gräser und Moose zusammengehalten und ist innen mit Dunen und Federn ausgelegt.

Der eigentliche Legebeginn ist im April. Das Weibchen legt fünf bis sieben Eier ins Nest. Die Eier sind von weißlicher Färbung und weisen bräunliche und rote Sprenkelungen und Punktierungen auf. Das Weibchen wärmt etwa 14 bis 15 Tage lang allein die Eier. Nach dem Schlupf werden die Küken von dem Männchen und dem Weibchen mit reichlich Nahrung in Form von Insekten (Insecta) und kleinen Spinnentieren (Arachnida) 14 bis 16 Tage lang im Nest gefüttert. Die Lebenserwartung des Waldbaumläufers beträgt unter günstigen Umständen in der Natur zwei bis drei Jahre. Der Bestand ist heute noch gesichert und der Waldbaumläufer wird in der Roten Liste der IUCN als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Waldbaumläufer.jpg

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