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Info: Der Wanderlaubsänger (Phylloscopus borealis), auch als Nordischer Laubsänger bekannt, zählt innerhalb der Familie der Grasmückenartigen (Sylviidae) zur Gattung der Laubsänger (Phylloscopus). Die englische Bezeichnung des Wanderlaubsängers lautet Arctic Warbler.

Aussehen und Maße: Der Wanderlaubsänger erreicht eine Körperlänge von etwa zehn bis dreizehn Zentimeter, eine Flügelspannweite von fünfzehn bis neunzehn Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa neun bis fünfzehn Gramm. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht kaum ein nennenswerter Dimorphismus. In frischen Federn weisen die Altvögel im Brautkleid einen olive-grünen Rücken mit gleichmäßig verteilten gräulichen oder bräunlichen Nuancen auf. Der Kopf zeigt keine weitere Zeichnung. Manchmal ist der Oberkopf leicht dunkler getönt. Der deutlich schmale Überaugenstreif zeigt eine gelblich-weißliche Färbung und erstreckt sich fast bis zum Nacken. Am Abschluß wirkt der Überaugenstreif leicht gebogen. Die Zügel sind dunkel olive-braun gefärbt. Der klare Augenring kontrastiert zu den dunkel gefärbten Augen. Die Iris selbst weist eine dunkelbraune Tönung auf. Die Deckfedern der Ohrgegend sind gelblich-weißlich getönt und weisen dunkel olivefarbene Sprenkelungen auf. Die Unterseite ist von weißlicher bis cremiger Färbung und zeigt leicht gelblich getönte Rillen. Die Brust ist von blasser mausgrauer Tönung, die Brustseiten und die Flanken werden von einem Olive-Braun infiltriert.

Die Kloake und die Unterschwanzdecken weisen eine blasse gelblich-weißliche oder eine gelblich-braune Färbung auf. Der Schwanz zeigt eine bräunliche Tönung und ist mit einem dunkel olive-grünen Rand umsäumt, während die drei äußeren Steuerfedern am Ende weißlich erscheinen. Die Deckfedern der Armschwingen und der Handschwingen sind stellenweise dunkelbraun gefärbt und sind ebenfalls mit einem olive-grünen Saum versehen. Die kleinen Deckfedern sind identisch. Die durchschnittlichen Deckfedern tragen eine gelbliche Flügelbinde. Bei den großen Deckfedern zeigen die Außenfedern eine weißliche bis cremefarbene Tönung auf, die eine zweite deutliche Flügelbinde bilden. Die Unterseite der Flügel ist blass gelblich gefärbt. Der Oberschnabel ist von dunkelbrauner Hornfarbe und weist einen zusätzlich orange-gelben scharfen Rand auf. Der Unterschnabel ist mit einer schmutzigrosa gefärbten Spitze versehen. Die Extremitäten sind gelblich bis bräunlich oder hellgrau bis bräunlich geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorne zeigen. In den Monaten Oktober bis Dezember zeigen sich die Vögel in einem Schlichtkleid, wobei der Rücken eine deutliche graue Nuancierung aufweist. Die Unterseite ist ebenfalls gräulich getönt. Die olive-grünen Infiltrationen der Flanken und der Brustseiten fehlen und die gelblich gefärbten Rillen sind begrenzt. Die doppelten Flügelbinden wirken im Winter abgenutzt, wobei die untere Flügelbinde deutlicher erscheint als die obere Flügelbinde. Der Schwanz und die Unterschwanzdecken wirken ebenfalls abgenutzt.

Lebensweise: Der Wanderlaubsänger lebt für gewöhnlich allein oder in Paaren, aber auch manchmal in nomadisierenden Gruppen von zwei oder drei Vögeln, die derselben Familie angehören. Allerdings integriert der Wanderlaubsänger außer der Reproduktionsperiode in Gruppen mit anderen kleinen Vögeln. Auch wenn der Wanderlaubsänger überwiegend auf Bäumen lebt, so trifft man ihn manchmal am Boden an, um dort nach Insekten zu suchen. Er ist nicht besonders scheu. In Anbetracht seiner Gewohnheit, die Nahrung im dichten Laub zu suchen, ist es besonders schwierig den Vogel zu beobachten. Der Wanderlaubsänger ist immer aktiv und ständig in Bewegung, indem er mit hoher Geschwindigkeit innerhalb des Dickichts hüpft und mit nervös zitternden Flügeln sowie mit Schwanzbewegungen flattert. Er flattert und praktiziert den stationären Flug, indem er die Insekten forciert, die aus ihrem Unterstand herauskommen und sie dann schließlich erbeutet. Der Flug ist leicht und schnell, als jener der anderen Vögel aus der Gattung der Laubsänger (Phylloscopus). Der Wanderlaubsänger kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa sechs Jahren erreichen.

Verbreitung: Die Verbreitungsfläche des Wanderlaubsängers befindet sich ausschließlich auf dem Alten Kontinent. Sie dehnt sich vom Norden von Europa und von Skandinavien in Richtung des Ostens bis zur Beringstraße aus. Dort ist der Vogel über die Beringstraße nach Alaska eingewandert. Er besiedelt die Ufer des Meeres von Okhotsk und die Regionen des Flusses Amur. Seine südländische Grenze liegt bei 68 Grad nördlicher Breite in Skandinavien und im Süden Westrußlands sowie bei 60 Grad nördlicher Breite in der Region des Urals. In Ostasien erreicht die Grenze den Norden der Mongolei, der Region Oussouri und Korea. Während der winterlichen Periode migriert der Wanderlaubsänger nach Südostasien.

Der Wanderlaubsänger hält sich vorwiegend in feuchten Forstlebensräumen auf wie zum Beispiel in der Tundra, in der hauptsächlich Pappeln und Birken vorkommen. Des weiteren findet man ihn auch in gemischten Nadelholzwäldern wie Zedern und Fichten sowie in der Taiga und in Birkenwäldern. Er bewohnt ebenfalls die Wälder, die die Wasserläufe begrenzen, insbesondere werden die Weiden und Birken in der Taiga bevorzugt. Man findet ihn ebenfalls in den gebirgigen Regionen bis zu 2.500 Metern Höhe. Im Winter zieht der Wanderlaubsänger in geringe Höhen bis zu 1.200 Metern. Des weiteren hält er sich in den offenen bewaldeten Regionen wie Regenwälder und Sekundärwälder auf. Aber auch in kultivierten Regionen wie Gärten, Wiesen und Mangroven ist der Wanderlaubsänger häufig anzutreffen.

Ernährung: Der Wanderlaubsänger ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta), insbesondere von Stechmücken (Culicidae). Er sucht seine Nahrung an unterschiedlichen Stellen der Vegetation wie zum Beispiel in den Zweigen von Bäumen, im Laub oder zwischen den Pflanzen.

Fortpflanzung: Das Weibchen baut ihr Nest in der grasartigen Tundra am Boden oder in der Mitte eines Weidenstrauches. Das kuppelförmige Nest, das hauptsächlich mit Gräsern, Blättern und Moosen konstruiert ist, besitzt einen seitlichen Eingang. Die eigentliche Nistmulde ist mit zahlreichen feinen Gräsern und mit Tierhaaren ausgepolstert. Das Gelege umfaßt fünf bis sieben gefleckte oder gelegentlich mit einer Girlande versehen, weiße Eier, die mit rosafarbenen oder rötlich-braunen Punkten bedeckt sind. Das Weibchen wärmt die Eier ausschließlich allein. Nach dem Schlupf werden die Küken von dem Weibchen und von dem Männchen reichlich mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta) versorgt. Nach etwa zehn bis elf Tagen verlassen die Jungvögel das Nest und sind sich dann selbst überlassen. Im allgemeinen befassen sich die Altvögel mit der Ernährung und mit der Erziehung nur nach dem Schlupf der Küken. So wie die Jungvögel das Nest verlassen haben, werden sie nicht nicht mehr von den Altvögeln betreut. Die Lebenserwartung des Wanderlaubsängers kann unter günstigen Umständen in der Natur etwa sechs Jahre betragen.

Gefährdung und Schutz: Der Wanderlaubsänger gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 10.000.000 Quadratkilometern. Die globale Population wird auf etwa 27.000.000 Wanderlaubsänger (Rich et al. 2003) geschätzt. Der Wanderlaubsänger ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird der Wanderlaubsänger als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Datei:Wanderlaubsänger.jpg

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