Tier Lexikon Wiki
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Info: Die Wasserspinne (Argyroneta aquatica) zählt innerhalb der Familie der Gebirgstrichterspinnen (Cybaeidae) zur Gattung der Wasserspinnen (Argyroneta).

Maße und Aussehen: Die Wasserspinne ist eine mittelgroße Spinne. Weibchen werden maximal 8 bis 10 Millimeter lang, Männchen erreichen rund 10 bis 15 Millimeter, dieser Größenunterschied zu Gunsten des Männchens ist unter Spinnen eine Seltenheit. Dabei beträgt die durchschnittliche Länge beider Geschlechter um 9 Millimeter und die Beinspannweite bis etwa 35 Millimeter. Die schwarzen Giftklauen (Chelizeren) sind nur wenige Millimeter lang, aber dennoch spitz und lang genug, um die menschliche Haut zu durchdringen. Die Grundfärbung liegt allgemein bei braun. Die Kopfbrust (Cephalothorax), also der Vorderkörper, ist mehr grau gefärbt, abgeflacht und weist einige sternartig angeordnete dunkle Streifen auf, vor den Giftklauen hebt sich die Kopfbrust von außen nach innen zu leicht an, wie der Giebel eines Hauses. Der hellere, braune Hinterleib (Abdomen) ist länglich und leicht nach unten gekrümmt. Auf dem gesamten Körper, vor allem auf dem Hinterleib, bilden Haare einen samtweichen Überzug, die Beine sind ebenfalls braun gefärbt und behaart.

Gift: Ein Biss dieser Spinne kann leichte bis mäßig starke, stechend brennende Schmerzen verursachen oder, wenn nur sehr wenig Gift injiziert wurde und die Giftklauen nicht richtig durchgebrochen sind, auch nur einen leichten Juckreiz begleitet von einer Rötung der Haut. Dabei kann die Bissstelle und das Gewebe um die Bissstelle herum etwas anschwellen. Allerdings kann man die Wasserspinne als ungefährlich bezeichnen, weil sie auf Grund ihrer Lebensumstände so gut wie keinen direkten Kontakt zum Menschen hat. Außerdem gab es noch nie einen nachgewiesenen Bissunfall mit längerem Krankenhausaufenthalt oder gar mit Todesfolge. Aber bei Kindern, sowie alten und geschwächten Menschen ist nach einem eventuellen Biss immer eine genaue Beobachtung der Entwicklung des Zustandes des Betroffenen angeraten, wie auch bei einem Bienenstich, da auch allergische Reaktionen nicht ausgeschlossen sind. Kommt es zu einer allergischen Reaktion, ist es angeraten, einen Arzt zu konsultieren, welcher ein entsprechendes Antiallergikum verabreicht.

Allgemeines: Die Wasserspinne ist sowohl am Tage, als auch in der Nacht aktiv, geht aber überwiegend in der Dunkelheit auf die Beutefang. Sie ist nicht an ein Netz mit festem Standort gebunden bzw. ist nicht gar all zu ortstreu, wie dies viele Trichterspinnen (Agelenidae) sind, sie halten sich so lange wie möglich an ein und dem selben Ort in ein und dem selben Netz auf, sofern die Umweltfaktoren stimmen und regelmäßig Beute zur Verfügung steht. Bei der Wasserspinne verhält es sich anders, sie braucht regelmäßig neue Netze und sucht sich auch immer neue Orte im selben Gewässer, welche nicht zu weit von einander entfernt sind, für diese aus. Die Netze sind etwas ganz besonderes, genauso wie restliche Lebensweise, auf welche im folgenden Absatz näher eingegangen wird.

Ernährung: Die Wasserspinne ist eine kaum aktive Jägerin. Sie lauert als Ansitzjägerin in ihrer Wohnglocke auf vorbeischwimmende Beutetiere. Berührt eine potentielle Beute die Warnfäden, welche von der Glocke wegführen, "schießt" die Wasserspinne förmlich aus ihrer Glocke und packt sich die Beute mit den kräftigen Giftklauen und den Tastbeinen und injiziert ihr Gift. Zur Aufnahme der Nahrung zieht die Spinne ihr erbeutetes Tier in die Wohnglocke. Dort speit sie Verdauungssekrete über und in das Beutetier, diese Sekrete verflüssigen es und die Spinne saugt es aus wie ein Vampir. Was übrig bleibt sind je nach dem, um was für eine Beute es sich gehandelt hat, die Haut, Schuppen oder der Chitinpanzer der Beute. Potentielle Beutetier der Wasserspinne sind allerlei Kleintiere wie Kleinkrebse, Wasserinsekten, Wasserasseln (Asellus aquaticus) und jede Menge im Wasser lebende Larven. Auch viele andere Wirbellose und kleinere Fische wie Elritzen (Phoxinus phoxinus), sowie Kaulquappen, die Larven von Lurchen (Amphibia), stehen auf dem Speiseplan der Wasserspinne.

Fortpflanzung: Die Paarung findet, wie so viele Tätigkeiten der Wasserspinne, in der Wohnglocke statt. Dazu führt das Männchen einen der zuvor mit Sperma befüllten Pedipalpen, genauer den jeweiligen Tarsus, also das letzte Glied eines in diesem Falle Tastbeines, in die Geschlechtsöffnung des Weibchens, die Epigyne, ein und legt dort sein Samenpaket ab, um die Eier zu befruchten. Ist die Paarung geglückt, webt das Weibchen vor der Eiablage eine besonders hohe Wohnglocke. Im oberen Teil bringt sie den Eikokon mit den Eiern an. Dort schlüpft dann später die Brut, welche bis zur ersten Häutung noch keine Haare hat und in der Glocke der Mutter verweilt. Die Haare erfüllen die Funktion des festhaltens der Luft in Form von einer Blase beim Abtauchen, sie sind also lebensnotwendig für die Wasserspinne. Die erste Nahrung der kleinen Jungspinnen sind in der Regel sehr kleine Tiere wie Wassermilben oder Wasserflöhe, wobei auch größeres erbeutet werden kann.

Verbreitung: Die Wasserspinne ist in fast ganz Eurasien verbreitet, um genauer zu sein, etwa von den britischen Inseln im Westen bis ins östliche Asien nach Japan. Sie bewohnt saubere und mäßig bis kaum durchströmte Gewässer mit nicht gar all zu großer Tiefe und viel submersen (unter Wasser lebende Pflanzen) Bodenbewuchs mit Pflanzen wie beispielsweise die Arten aus der Gattung Sphagnum. Für ein Vorhandensein der Wasserspinne müssen sich in dem Gewässer genügend Kleintiere, also Nahrung, befinden, der Sauerstoffgehalt darf nicht zu gering sein und der Säuregrad (pH-Wert) des Gewässers sollte günstigen Falls um den Neutralpunkt sieben liegen. Allgemein kommt, oder mehr kam, die Wasserspinne in allen möglichen Kleinstgewässern, Tümpeln, Abzugsgräben und in der Uferzone von Seen vor. Sehr günstig sind Torfstiche mit den bereits erwähnten Spahgnum-Arten, dort fand man früher oft regelrechte Kolonien dieser Spinnen. Heutzutage kommt die Wasserspinne nur noch in sehr abgelegenen Moorgebieten vor und man muss es leider als ein besonderes Erlebnis bezeichnen, diese Art beobachten zu können.

Ökologie: Auf Grund der Tatsache, dass die Wasserspinne auf sehr saubere, naturbelassene und unbelastete Kleinstgewässer und Seen angewiesen ist, welche auch keinen zu geringen Sauerstoffgehalt aufweisen sollten, hat sie es schwierig, sich heutzutage in einer ökologischen Nische einzufinden. Anders ausgedrückt: Sie hat keinen Platz mehr im heutigen Deutschland! Die meisten Gewässer sind entweder durch Abwässer oder Abfälle verunreinigt, durch Chemiekalien belastet oder zu unruhig bei Straßen gelegen. Seen werden in den von der Wasserspinne bevorzugten Zonen, den Uferbereichen, oft durchwühlt (zum Beispiel durch Hunde oder von Anglern) oder Kinder reißen die Pflanzen heraus. In Abflussgräben auf Feldern hat die Spinne mit Düngermitteln zu kämpfen und in Seen oft mit Überdüngung und dadurch auch mit "Eutrophierung", denn durch die Überdüngung bricht fast das gesamte Nahrungssystem in einem See zusammen. In Deutschland steht die Wasserspinne auf der Deutschen Roten Liste als stark gefährdet (ist jedoch nicht in der Roten Liste des IUCN gelistet), außerdem ist sie streng geschützt und darf nicht einfach ohne Grund und amtliche Erlaubnis eingefangen werden.

Wasserspinne.jpg
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