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Info: Die Weißbartseeschwalbe (Chlidonias hybridus), auch unter dem Synonym Chlidonias hybrida bekannt, zählt innerhalb der Familie der Seeschwalben (Sternidae) zur Gattung der Sumpfseeschwalben (Chlidonias). Die englische Bezeichnung der Weißbartseeschwalbe lautet Whiskered Tern.

Aussehen und Maße: Die Weißbartseeschwalbe ist etwas größer als die Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger) und besitzt einen kräftigen Schnabel. Sie erreicht eine Körperlänge von etwa 23 bis 27 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 70 bis 75 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 80 bis 95 Gramm. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht in Größe und Aussehen kaum ein nenneswerter Dimorphismus. Im Prachtkleid ist die Unterseite hauptsächlich dunkelgrau, die Kopfseiten sind weiß gegen die schwarze Kopfplatte abgesetzt, die übrige Oberseite ist hellgrau gefärbt. Im Schlichtkleid fehlt jede Andeutung eines Brustseitenflecks. Der Schnabel ist im Brutkleid dunkelrot gefärbt, während der Schnabel im Schlichtkleid schwärzlich erscheint. Des weiteren ist der Kopf eher weiß getönt und weist eine absteigende dunkle horizontale Linie, die sich bis zum Auge hinzieht. Die Brust ist weniger dunkel gefärbt. Die Flügel sind ziemlich lang, breit und kräftig und bedecken fast den Schwanz. Der Schwanz weist eine tiefe Kerbung auf. Die Extremitäten sind ein wenig länger als bei den anderen Sumpfseeschwalbe (Chlidonias).

Die Jungvögel haben im Gegensatz zu den Altvögeln ein dunkles Gefieder. Die Weißbartseeschwalbe erbeutet im Flug über der Wasseroberfläche ihre Beute. Der Flug der Weißbartseeschwalbe ist anmutiger und schneller als der Flug der Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger). Des weiteren erbeutet die Weißbartseeschwalbe durch Stoßtauchen ihre Beutetiere. Die Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger) erbeutet ihre Nahrung nur selten durch Stoßtauchen, meist gleitet sie schräg zur Wasseroberfläche nieder. Das Territorium und somit auch das Brutrevier werden durch ein rauhes Rufen, das eher dem Knirchen einer Kreide oder dem Kratzen eines Fingernagels an einer Tafel ähnelt, markiert. Hin und wieder hört man auch einen anderen Ruf, der etwa wie "kek" klingt und der oft wiederholt wird. Die Weißbartseeschwalbe kann unter günstigen Umständen ein Alter von etwa zehn Jahren erreichen.

Lebensweise: Die Weißbartseeschwalbe ist ein Zugvogel. Ständig fliegt sie über dem Gewässer immer Ausschau haltend nach Insekten. Wenn sie ein Insekt entdeckt hat, dann fliegt sie mit einem schnellen heftigen Stoßtauchen, ohne dass sie dabei ihre Flügel bewegt, auf die Beute zu und schnappt nach dem Insekt. Nach der Brutsaison versammeln sich die Weißbartseeschwalben zu großen Trupps, die mehrere Tausend Vögel umfassen können, und suchen gemeinsam in der Abenddämmerung ihre Schlafstellen auf. In der Morgendämmerung fliegen sie gemeinsam zu ihren Nahrungsplätzen, wo sie mehr als die Hälfte des Tages damit beschäftigt sind, reichlich Insekten zu erbeuten. 

Verbreitung: Die Weißbartseeschwalbe ist ein Brutvogel in wärmeren Ländern wie zum Beispiel Afrika, Vorderasien sowie in Südwesteuropa. Im Sommer findet man die Weißbartseeschwalbe südlich von England. Die Brutplätze befinden sich im Süden von Europa. Ebenfalls sind Brutkolonien in Dombes in Frankreich (Dombes ist eine Landschaft in Ostfrankreich) sowie in der Camargue (Südfrankreich), im Delta des Ebro in Spanien, im Nationalpark Hortobágy in Ungarn sowie am Apollonia am Rhyndakos (Ulubat-See bei Bursa, ehemals Apolyont, Apolynt) in der Türkei. Des weiteren findet man die Weißbartseeschwalbe in Polen, in Rumänien und in der Ukraine. Die Weißbartseeschwalbe in den Sümpfen der Süßgewässer, an den Fischteichen sowie am Rande von Wasserlachen in dichter Vegetation. Außerhalb der Reproduktionszeit kann man die Weißbartseeschwalbe auf Seen, in Küstenlagunen und in Flussmündungen beobachten. Gelegentlich hat sie auch schon in Belgien und in den Niederlanden gebrütet.

Ernährung: Die Weißbartseeschwalbe ernährt sich von Libellen (Odonata), von aquatischen Larven der Insekten (Insecta), von Käfern (Coleoptera), von Kaulquappen und von Laubfröschen (Hylidae) sowie von kleinen Fischen (Pisces).

Fortpflanzung: Die Weißbartseeschwalbe erreicht ihre Geschlechtsreife etwa mit zwei Jahren. Die Paarungszeit und die Brutsaison finden in den Monaten von April bis Juni statt. Das Nest wird von beiden Partnern auf einer schwimmenden Plattform, die aus aquatischen Vegetation besteht, errichtet. Das Weibchen legt zwischen drei und fünf befleckte grünliche Eier von einem dunklen Braun. Die Eier weisen eine Länge von etwa 39 Millimeter auf. Das Männchen und das Weibchen wärmen die Eier abwechselnd etwa 14 bis 18 Tage lang. Nach dem Schlupf werden die Küken von beiden Partnern reichlich mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta) versorgt. Nach 12 bis 14 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest und nach drei Wochen können die Jungvögel fliegen. Die Jungvögel haben im Gegensatz zu den Altvögeln ein dunkles Gefieder. Die Lebenserwartung der Weißbartseeschwalbe kann unter günstigen Umständen in der Natur etwa zehn Jahre betragen.

In der Camargue in Südfrankreich wurde das Brutverhalten der Weißbartseeschwalben genau beobachtet. Sie brüten dort auf seichten stehenden Gewässern, in denen Stiere durch ihr Herumtrampeln dafür gesorgt haben, dass losgerissene und auf der Wasseroberfläche treibende Simsenstengel als Nestbaumaterial zur Verfügung stehen. Solche Stengel holten sich die Weißbartseeschwalben aus einer Entfernung von huntert bis zweihundert Meter. Des weiteren wurde beobachtet, wie Weißbartseeschwalben Ersatznester bauten, weil zwei Jungvögel wegen einer Störung etwa zwanzig Meter weit von ihrem alten Nest fortgeschwommen sind. Kaum einen Meter von ihnen entfernt begannen die Altvögel daraufhin, in höchster Eile ein neues Nest zu bauen. Meterlange Simsenhalme trugen sie im Fluge dorthin. Sie stahlen sie meistens von Nestern anderer Kolonievögel, die zur Zeit auf Nahrungssuche abwesend waren. Kurz hintereinander flogen sie einundzwanzigmal zum neuen Nestort, jedesmal mit einem langen Stengel. Nach wenig mehr als zwanzig Minuten war die Plattform bereits so stabil und geräumig, dass die beiden Jungvögel sich daraufsetzen konnten und auch schon die erste Nahrung dorthin zugetragen bekamen.

Gefährdung und Schutz: Die Weißbartseeschwalbe gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd über 1.000.000 bis 10.000.000 Quadratkilometer. Die globale Population zählt etwa 240.000 bis 1.300.000 Weißbartseeschwalben (Wetlands International 2002). Die Weißbartseeschwalbe ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Weißbartseeschwalbe als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Datei:Weißbartseeschwalbe.jpg

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